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Freitag, 20. Juni 2014

Die Zerreißprobe. Warum Accra zu zerbrechen droht.
„Es wirkt wie eine vervielfältigte, vergrößerte Kleinstadt, die aus dem Busch, aus dem Dschungel gekrochen ist und am Ufer des Golfs von Guinea haltgemacht hat.“ Das schrieb der polnische Journalist Ryszard Kapuściński 1958 über Accra, ein Jahr nachdem die „Goldküste“ die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hatte – als erstes schwarzafrikanisches Land.
Aus den Fugen geraten: H wie die Hoffnung auf ein neues Accra. Gedenktafel vor dem Independence Square.





Ein halbes Jahrhundert später hat Accra dieses tropische, immergrüne Flair verloren. Aus der vermeintlichen Kleinstadt, ist das wirtschaftliche und politische Zentrum Ghanas geworden, die wichtigste Metropole Westafrikas, ein Schmelztiegel, der die Menschen aus der ganzen Region wie ein Magnet anzieht. Ablesen kann man diesen Wandel zum Beispiel an der Einwohnerzahl: In den letzten fünfzig Jahren ist sie um das Fünffache gestiegen, von 330.000 auf 1,6 Millionen Einwohner, die Hälfte davon ist jünger als 24. Ein schwieriger Spagat Und Accra wächst weiter. Der Strom an Neuankömmlingen scheint nicht zu versiegen. Vom Land kommen die Bauern, aus der Elfenbeinküste oder Burkina Faso die Flüchtlinge. Was sie verbindet, ist die Hoffnung auf Sicherheit, Essen und ein Dach über dem Kopf. Für sie bedeutet Accra Verheißung. Paradoxerweise wachsen so aber gerade die Probleme: Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Kriminalität. Das wichtigste Charakteristikum Accras im Jahr 2010 ist seine Ungleichzeitigkeit. Mit dem einen Bein hat die Hauptstadt die Pforte zum 21. Jahrhundert längst durchschritten, das andere aber hinkt nach und bleibt der Tradition verhaftet. Dieser Spagat zwischen Moderne und Tradition ist schwierig und birgt Gefahren in sich. Accra droht zu zerreißen, wenn die Kluft zwischen extrem Arm und extrem Reich weiter wächst; wenn sich die gut Ausgebildeten, Aufstrebenden, die nach Europa schielen, weiter von den Fortschrittsverlieren entfernen. Zwischen Wellblechhütten und Glaspalästen Nirgendwo spiegelt sich diese Ungleichzeitigkeit deutlicher wieder als in der Architektur: Accra besitzt zwar kein repräsentables Stadtzentrum, keine Wolkenkratzer und keine schicken Einkaufspassagen, keinen McDonalds oder Starbucks. Aber immerhin sieht man in manchen Gegenden Hochhäuser, meistens Bürogebäude, manchmal spiegelverglast. Man sieht das futuristische, von chinesischen Architekten erdachte Nationaltheater; man sieht den Independence Square, der mit seinem Triumphbogen und den 30.000 Menschen fassenden Tribünen an die totalitären Diktaturen Osteuropas erinnert. Und man sieht die am Stadtrand hingeklotzte Accra Mall, ein 20.000 m2 großes Einkaufszentrum, in dem die neu entstandene Mittelschicht einkauft. Sie lebt in den Suburbs von Accra und lässt dort ihre Häuser im Akkord hochziehen – eine Villa größer als die andere. Dies ist aber nur das eine Gesicht Accras, seine Schokoladenseite. Die andere Hälfte besteht aus den vergessenen Vierteln, den Slums, in denen es kaum Häuser aus Zement gibt und erst recht kein fließendes Wasser oder Strom. Ihre Namen lauten: Usher Town, James Town, Avenor, Ayidiki oder Ga Mashie. Ga Mashie – Ein vergessenes Viertel Ga Mashie war einmal das florierende Handelszentrum Accras, benannt nach den Ga, einem Stamm von Ackerbauern, der den Küstenstreifen, der heute Accra heißt, im 15. Jahrhundert als erstes besiedelte. Heute ist Ga Mashie ein Armenhaus, in dem laut einer Studie der CHF International 47000 Menschen leben. 3000 von ihnen sind obdachlos, der Rest wohnt in flachen, ebenerdigen Häusern. Es gibt von Termiten zerfressene Holz-Baracken; es gibt aus Lehmziegeln gemauerte und mit Wellblech gedeckte Hütten, von denen der mintgrüne oder rosafarbende Putz abblättert; und es gibt metallene Schiffscontainer, die in Vodafone-rot oder MTN-gelb leuchten. Eines haben alle Behausungen gemeinsam: Die Enge. Im Schnitt teilen sich sechs Menschen fünf Quadratmeter. Dass Accra vor einer Zerreisprobe steht – daran besteht kein Zweifel. In den vergessenen Vierteln leben 60 Prozent der Accraner, mehr als eine Million Menschen. Und jährlich kommen über 20.000 neue dazu. Die Alarmglocken schrillen schon seit langem. NGOs wie die Bill Gates Foundation wollen helfen, die Regierung plant Investitionen. Und beides ist dringend nötig. Andernfalls nämlich wird die Hauptstadt entlang der Bruchstelle von Tradition und Moderne zerbrechen. Am meisten darunter zu leiden hätten Accras Ärmste. Denn die Entwicklung rauscht voran wie ein rasender Zug: Wer den Einstieg verpasst, wird abgehängt – von der eigenen Zukunft.
Quelle: http://ghanacalling.wordpress.com/2010/12/13/zerreisprobe/

Samstag, 7. Juli 2007

Innenminister für konsequentes Vorgehen gegen Kriminalität

Anlässlich der feierlichen Übergabe von fünf Polizeifahrzeugen und anderem Equipement an eine Polizeikommandatur in der Ashanti-Region wies der Innenminister Albert Kan-Dapaah darauf hin, dass man nicht zulassen dürfe, dass die ghanaische Gesellschaft durch Raub und bewaffnete Überfälle bedroht werde. (siehe post) Der Minister sagte, dass die ghanaische Polizei bisher eine beachtenswerte Aufklärungsrate vorweisen könne und forderte das Personal dazu auf, das Vertrauen, das die Öffentlichkeit in sie setze, nicht zu enttäuschen. Man müsse zudem der Welt zeigen, dass man bereit sei, die Verbrechen im Land zu bekämpfen. Auch lobte er das Polizeipersonal, das vor kurzem aus anderen Regionen Ghanas in der Ashanti-Region eingesetzt worden war. Die wenige Zeit, die sie vor Ort waren, hätte ausgereicht, die Verbrechensrate beträchtlich zu verringern und er bat sie, weiterhin so erfolgreich zu arbeiten.
Quelle

Freitag, 22. Juni 2007

Oelfund vor der ghanaischen Küste

Ghana freut sich: Ein weiterer großer Schritt in Richtung wirtschaftlicher Unabhängigkeit ist getan. Vor ein paar Tagen fand eine britische Oelgesellschaft vor der Küste von Cape Coast Oel. Quelle

weitere links:
  • tullowoil

  • big find for tullow

  • Ghana Expects Large Oil Flows in 7 Years

  • Internationaler Strafgerichtshof lobt Ghana

    Der Internationale Strafgerichtshof mit Sitz in Den Haag, unter der Präsidentschaft des Kanadiers Philippe Kirsch (1. Vizepräsidentin ist übrigens die Ghanaerin Akua Kuenyehia), lobt Ghana für seine positive freiheitliche und auch ökonomische Entwicklung in den letzten Jahren unter Präsident Kufuor. Quelle

    Mittwoch, 13. Juni 2007

    Heartbeat of Ghana

    Donnerstag, 7. Juni 2007

    Straßenraub in der Nähe von Accra

    Gefährliches Pflaster Accra? Auf der Oda-Accra-Straße zwischen Akyem Asanteman und Asuboa wurde in der Nacht zum Dienstag (4.6. auf 5.6.2007) auf eine 45jährige ghanaische Frau und drei ghanaische Männer das Feuer eröffnet. Die Frau erlag ihren Verletzungen, die drei Männer wurden schwer verletzt. Einer der drei kämpft nach wie vor ums Überleben. Die vermutlich acht Täter waren mit pump-guns und aus einheimischer Waffenproduktion stammenden Gewehren bewaffnet. Sie zwangen ca. 100 Fahrzeuginsassen aus 12 Fahrzeugen mit auf die Straße gelegten Baumstämmen zum Anhalten und forderten sie auf, ihnen Geld, Handys und andere Wertsachen zu geben. Danach mussten sich die Ausgeraubten auf die Mitte der Straße legen. Als die Polizei zum Tatort kam, waren die Täter schon in den angrenzenden Busch verschwunden.Quelle

  • 60 years imprisonment for 26-year-old armed robber

  • Highway robbers attack passengers

  • Police warn of new tricks on highway robbery

  • Illicit proliferation of small guns in Ghana

  • Small arms control in Ghana

  • Dienstag, 5. Juni 2007

    Deutsche Königin in Ghana

    HAMBURG (dpa) Ihr Reich ist so groß wie Rheinland-Pfalz und ihr Volk zählt 200000 Menschen. Vor fast sieben Jahren wurde aus der Hamburger Unternehmerin Cornelia von Wülfing die Monarchin Mamaga Nyonuviaga Akosua I. (Königin des Fortschritts) "Seither ist nichts mehr, wie es war", so die Regentin in Alavanyo, einer Region im westafrikanischen Ghana. "Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich es nicht gemacht." weiterlesen

  • alavanyo
  • list of donors

  • Sonntag, 3. Juni 2007

    Phylicia Moore



    Phylicia Moore, an 18-year old honor student from the Teaneck High School in New Jersey, died on April 15, 2007. Her body was discovered at the bottom of a hotel swimming pool in Accra. Phylicia Moore earned and saved every penny in order to go to Africa for a goodwill class trip to Ghana to donate books to orphaned children suffering from AIDS. 23 classmates joined her, along with nine chaperones. Their parents have two beliefs: that their daughter's death was not an accident, and that Phylicia would still be alive had the trip's chaperones been more vigilant in monitoring the students.

    The details of the final hours of Phylicia Moore's life are frustratingly incomplete. She was seen leaving the hotel swimming pool alone around 10:30 p.m. April 15. About 11 hours later, her body was discovered in the pool, still clad in a tank top and shorts with a bathing suit underneath.

    The parents and their attorney Nancy Lucianna have been pushing for the FBI to investigate, an effort aided by Rep. Steve Rothman, D-N.J. The U.S. ambassador to Ghana, Pamela E. Bridgewater, told the Moores in a letter Friday that Ron Nolan, the FBI's legal attache assigned to Lagos, Nigeria, would travel to Ghana next week and serve as a liaison to a task force formed by Ghanaian authorities to review Moore's death.

    But under international law, the FBI cannot be formally involved in the investigation until it receives an official request from the Ghanaian government. The FBI had not received such a request as of Friday. cbsnews

    weitere links:

    Samstag, 2. Juni 2007

    Der Zölibat? Er ist der afrikanischen Kultur nicht fremd


    "In unserer traditionellen Religion gibt es ohnehin schon unverheiratete Priester, und auch die verheirateten dürfen – wenn sie ihre Riten feiern müssen – drei Tage lang keinen Geschlechtsverkehr haben. Zu sagen, daß der Zölibat etwas für die afrikanische Mentalität Unverständliches ist, ist also eine Unwahrheit." Interview mit Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson



    Peter Kodwo A. Turkson

    Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson war der einzige Kardinal und Titularbischof einer afrikanischen Diözese, der an der Bischofssynode über die Eucharistie teilnahm. Kardinal Turkson, Erzbischof von Cape Coast in Ghana seit 1992, der während der Synode seinen 57. Geburtstag feiern konnte, ist eines der jüngsten Mitglieder des Kardinalskollegiums. Beim letzten Konsistorium von 2003 wurde er zum Kardinal kreiert; er ist Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche. Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson Eminenz, eines der Themen, das bei den Massenmedien besonders großes Echo gefunden hat, war das der sogenannten viri probati. Befaßt man sich auf Ihrem Kontinent mit dieser Frage? PETER KODWO APPIAH TURKSON: Ich kenne keine afrikanischen Diözesen, die dieses Problem aufgeworfen haben, aber der Umstand, daß man darüber diskutiert bedeutet, daß sich der Weg der viri probati als Lösung des – in einigen Zonen der Katholizität realen – Problems des Priestermangels darstellt, wie auch der Tatsache, daß es einigen Gemeinschaften unmöglich ist, ein reguläres sakramentales Leben zu führen. Am Ende hat die Bischofssynode dann aber beschlossen, diese Hypothese einstweilen ruhen zu lassen, in Erwartung, daß alle anderen möglichen Lösungen für dieses Problem unter die Lupe genommen werden. Lösungen welcher Art? TURKSON: Diese Lösungen können lang- oder kurzfristig sein. Erstere bedeuten Eingriffe seitens der Kirche dahingehend, in den Familien ein anderes Denken bezüglich der Geburtenraten zu bewirken. In allen Kulturen und Gesellschaften gibt es mehr Berufungen, wenn es mehr Kinder gibt. Kurzfristig bedeutet dagegen, daß sich der Klerus zwischen den Kirchen der dritten Welt und denen der westlichen Welt aufteilt, was nicht bedeutet, einen Überschuß an Personal anzubieten, sondern die Liebe zur Kirche zu zeigen, die von uns verlangt, daß wir unsere mageren Ressourcen teilen… unsere fünf Laib Brot und zwei Fische. Gibt es in Afrika Gemeinschaften, die das Problem haben, wegen des Priestermangels nicht regelmäßig die Eucharistie empfangen zu können? TURKSON: Auch bei uns in Ghana gibt es Gemeinschaften, die keinen Priester haben, der regelmäßig, jede Woche, die Messe feiert. Viele Dörfer und Städte müssen ohne Priester über die Runden kommen und sich mit der Präsenz der Katechisten zufrieden geben. Der Priester kann diese Gemeinschaften alle zwei Wochen oder einmal im Monat besuchen. Das bedeutet, daß auch wir keinen Priester für jede Gemeinschaft haben. Diese Situation hängt jedoch auch mit dem Umstand zusammen, daß einige Gemeinschaften allein keinen Priester erhalten können. Wir haben Gruppen von Dörfern geschaffen, die mit vereinten Kräften für einen Priester aufkommen. Der Priester stattet ihnen periodisch seinen Besuch ab, und in seiner Abwesenheit kümmern sich die Katechisten um die Gemeinschaft. Ein Schritt in Richtung des einfacheren Zugangs der Gläubigen zur Eucharistie könnte für uns folglich die Ausbildung von Katechisten sein, die in den Rang von Kommunionspendern erhoben werden können; wie auch die Ausstattung der Kapellen in den Dörfern und Städten mit geeigneten Tabernakeln für die Aufbewahrung der eucharistischen Gestalten. Stellt der Priesterzölibat in diesem afrikanischen Kontext eine besondere Schwierigkeit dar? TURKSON: In unserer traditionellen Religion gibt es ohnehin schon unverheiratete Priester, und auch die verheirateten dürfen – wenn sie ihre Riten feiern müssen – drei Tage lang keinen Geschlechtsverkehr haben. Zu sagen, daß der Zölibat etwas für die afrikanische Mentalität Unverständliches ist, ist also eine Unwahrheit. Gewiß, im afrikanischen Klerus kann man Situationen finden, in denen das Gelübde nicht eingehalten wird. Es handelt sich um Sünden, und Sünder gibt es überall, nicht nur in Afrika. Aber das heißt noch lange nicht, daß der Priesterzölibat der afrikanischen Realität fremd ist. Ein anderes, von den Massenmedien aufgegriffenes Thema war das der Pastoral für die wiederverheirateten Geschiedenen. TURKSON: Die Frage der geschiedenen, wiederverheirateten Katholiken ist sehr komplex. Die Scheidung wurde in den afrikanischen Ländern und auch in Ghana zwar erlaubt, es gibt aber auch viele Praktiken, die den Rückgriff auf diese Einrichtung auf ein Minimum reduzieren. Eine der Praktiken, die dazu beigetragen hat, daß es weniger Scheidungen gibt, war die Polygamie. Bei uns war die Polygamie beispielsweise historisch ein Element, das das Problem der Scheidung an der Wurzel gelöst hat. Wenn ein Mann eine Frau verstoßen wollte – weil sie unfruchtbar, zu schwach oder zu krank zum Arbeiten war, oder aus anderen Gründen –, setzte er sie nicht einfach auf die Straße, was wieder andere Probleme ausgelöst hätte (wer sollte sich um sie und ihre Kinder kümmern?), sondern nahm einfach eine andere, ohne die erste zu verlassen. Mit dem Einfluß des Christentums und seiner Lehre von der Einzigheit der Ehe, war die Polygamie verpönt und die Monogamie wurde gefördert. Die zum Christentum Konvertierten verstanden die christliche Lehre, die die Unauflöslichkeit der Ehe lehrt. Sie haben sich den Sinn der Ehe als Einladung zum Zeugnisablegen für die untrennbare Liebe Christi zu seiner Kirche zueigen gemacht. Aber da sie eben auch ein Volk in Bewegung sind, kann es vorkommen, daß sie sich zu Schwächen hinreissen lassen, und das Paradox der Scheidung ist eine neue Realität und ein neues Problem für die Pastoral der Kirche. Ich glaube, daß in jenen Fällen von Scheidung, wo jemand ohne es zu wollen verlassen, sich selbst überlassen wird, diese verlassene Person als Opfer einer Ungerechtigkeit betrachtet werden muß und daher einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bedarf. Die Probleme sind also auch in diesem Fall anders gelagert? TURKSON: Bei uns kann man sowohl dem traditionellen Brauchtum entsprechend als auch standesamtlich heiraten. Bei beiden Formen ist jedoch die Scheidung möglich. Die Christen müssen die (schon traditionell oder standesamtlich gültige) Ehe, außer diesen beiden Formen, auch in der Kirche schließen, als unauflösliches und permanentes Sakrament. Das schafft vielen Gläubigen Probleme. Wer sich für eine traditionelle Heirat entschieden hatte, zögert, die Ehe sakramental zu schließen, also in der Kirche, weil er weiß, daß er sich dann nicht scheiden lassen kann. Es handelt sich also um Gläubige, die an der Schwelle des inneren Lebens der Kirche stehen und Angst haben, ganz einzutreten. Und aus diesem Grund können sie nicht die Kommunion empfangen. Das ist das Problem, mit dem ich bei meinen Pastoralbesuchen am meisten konfrontiert werde. Diese Gläubigen bitte ich dann, sich Mut zu machen, sich dem Herrn und seiner Gnade anzuvertrauen, wie auch der Unterstützung der christlichen Gemeinschaft. Auch ich hätte mich wohl nie zum Priester weihen lassen, wenn ich meine Hoffnung ganz allein auf mich und meine Kräfte hätte setzen müssen. Am Ende Ihres Beitrags in der Synodenaula haben Sie verlangt, daß der Hl. Stuhl einen besonderen Dispens gewährt, damit die Gläubigen, die auf der Grundlage der kanonischen Normen vom Kommunionempfang ausgeschlossen wären, doch die Kommunion empfangen dürfen... TURKSON: Diese Bitte hängt mit den Problemen zusammen, die wir eben angesprochen haben. In Ghana haben wir Bischöfe bereits beschlossen, an den vier Kirchengerichten Priester und Laien einzusetzen, die mit Traditionen und Brauchtum des Landes gut vertraut sind. Ihre Aufgabe wird es sein, die Fälle dieser Gläubigen zu untersuchen, die – beispielsweise aufgrund ungerechter Auflagen für das Ehepaar durch unser patrilineares und matrilineares Familiensystem, oder einfach nur aufgrund des Trotzes oder der unbeugsamen religiösen Einstellung eines nicht christlichen Ehepartners – nicht die Eucharistie empfangen können und bei den Bischöfen eventuell um einen Dispens ansuchen. Um eben die Lösung dieser Probleme einfacher zu gestalten, wollen wir den Hl. Stuhl um diesen besondere Dispens bitten. Einige davon könnten von den einzelnen Bischöfen gewährt werden, aber man vermeidet wohl besser, daß die Gläubigen dadurch verunsichert werden, daß die Anweisungen von Diözese zu Diözese verschieden sind. Aus diesem Grund ist der Weg des allgemeinen Dispenses wohl der beste. Ein in Afrika sehr akutes Thema ist das der Inkulturation der Liturgie. TURKSON: Die Inkulturation an sich war nie ein Problem; in der Geschichte der Kirche hat es sie immer gegeben. Wichtig ist – und darauf verweist der Hl. Stuhl immer wieder –, daß man bei diesem Prozess nie das aus den Augen verliert, was das Wesentliche unseres Glaubens ist. Was nun uns angeht, sollten wir die Möglichkeit haben, dem Herrn mit den Mitteln Kult zu erweisen, die wir haben. Der Gebrauch der Tamtam, unsere Konzepte, unsere Art der Darstellung, unsere Gesänge, unsere Tänze, sind unsere Gabe, mit denen wir dem Herrn unsere Verehrung zeigen wollen. Die Modalitäten der Inkulturation dürfen nicht als heidnischer Kult oder als einfaches Spektakel empfunden werden. Es ist die Pflicht von uns afrikanischen Bischöfen, darüber zu wachen, daß das nicht geschieht. Eminenz, Sie haben vorhin die Schwierigkeiten angesprochen, die bei Mischehen zwischen Muslimen und Christen entstehen können. Wie steht es um die Beziehungen zwischen Kirche und Islam in Afrika? TURKSON: Das Problem mit dem Islam ist, daß der Dialog einspurig verläuft, keine Reziprozität besteht. Der Islam will geben, nicht aber empfangen. Man kann zum Islam konvertieren, nicht aber vom Islam her. Wenn ein Christ beispielsweise eine Muslimin heiraten möchte, ist er verpflichtet, zum Islam überzutreten. Und das ist nicht richtig. Wie sieht die Situation diesbezüglich in Ihrem Land aus? TURKSON: Der Islam ist vor dem Christentum nach Ghana gekommen, und in den vergangenen Jahrhunderten war ein gutes Zusammenleben möglich. In den Familien lebten verschiedene Glaubensformen problemlos miteinander. Einer meiner Onkel war Muslim, meine Mutter war Methodistin, mein Papa katholisch – und ich kann mich nicht erinnern, daß das in unserem Zusammenleben Probleme geschaffen hätte. Die Wende kam, als in Nahost die Krise zwischen Arabern und Israelis ausbrach. Das hat alles verändert, eine Identitätswelle der verschiedenen Religionen ausgelöst. Dieser Konflikt hat sich überall verbreitet, auch bei uns, und das allein schon aus dem Grund, weil die muslimischen Gruppen von den Golf-Ländern nicht unerhebliche Fonds erhalten haben. Und mit den Fonds kommt auch die Ideologie ins Land, und damit ist die friedliche Situation unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Leider. Ein anderes von der Synode angesprochene Thema war die Verbreitung der protestantischen Sekten. TURKSON: In den afrikanischen Ländern, wo die gemeinsame Sprache nicht englisch ist, sind die Menschen dieser Verbreitung weniger ausgeliefert. In den englischsprachigen Ländern dagegen kann sie immer mehr Fuß fassen. Diese Gruppen nützen eine auch in unseren Gemeinschaften bestehende Unkenntnis der Bibel aus, können sich aber auch dank der geringen Liebe der Katholiken zum Reichtum der Sakramente verbreiten. Was also tun? Wir müssen unseren Gläubigen die Bibel nahe bringen, ihnen dabei helfen, den Reichtum und die Schönheit des sakramentalen Lebens ihrer Kirche zu erkennen. Wir müssen daran erinnern, daß sich Jesus uns auf zwei Weisen zeigt, in der Eucharistie und in seinem Wort. Und auf diesen zwei Beinen müssen wir gehen – die protestantischen Sekten dagegen halten sich nur auf einem aufrecht. Bei der Synode hat einer Ihrer afrikanischen Brüder im Bischofsamt auf die traurigen Fälle von Frauen hingewiesen, die – in Ordenshäuser hier im Westen verpflanzt – diese Häuser verlassen und auf der Straße enden … TURKSON: Dieses Phänomen gibt es wirklich. Und es betrifft nicht nur die Frauen. Es gibt viele Berufungen, aber manchmal kann dem die Ausbildung nicht genügen. Was nun die angeht, die zum Studieren in den Westen kommen, stimmt es, daß man nicht weiß, ob sie das aus wirklicher Berufung heraus tun oder einfach nur, weil sie ihr Land verlassen wollen. Dann kann es vorkommen, daß einige, die keine wirkliche Berufung haben, der Prostitution oder Drogen zum Opfer fallen. Hier muß klar unterschieden werden. Die beste Lösung wäre die, die Ausbildung in der Heimat vorzunehmen, und nicht im Westen. Betrifft das Problem dieser Abkehr auch die Priester? TURKSON: Es gibt auch diese Fälle, aber dieses Phänomen ist sehr viel seltener. Es betrifft vor allem die Seminaristen. Daher ist die Beziehung zwischen dem Bischof und seinen Priestern auch so wichtig. Wenn ein Priester seinen Bischof mag, ist es schwieriger, daß er die Diözese verläßt. Es ist also gut, daß der Bischof seine Priester gut kennt. Um dieses gegenseitige Kennenlernen, diese gegenseitige Wertschätzung zu ermöglichen, nehme ich selbst für den Priesterdienst bereite Diakone sechs oder sieben Monate lang im Bischofspalast auf. So weihe ich keine Priester, die ich nur aus den Erzählungen der Seminarleiter kenne, sondern solche, die ich persönlich kennenlernen durfte. Ich glaube, daß das – mit der Hilfe Gottes – ein guter Weg ist.

    Freitag, 1. Juni 2007

    Die drei Präsidenten von Ghana

    Zwischen politischer Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Abhängigkeit von Yao Graham

    Ghana war das erste Land südlich der Sahara, das sich von der Kolonialherrschaft befreite. Am 6. März vor fünfzig Jahren wurden die Goldküste und das Ashantiland als Ghana unter Premierminister Kwame Nkrumah unabhängig. Der Anführer der siegreichen Convention People's Party (CPP) hatte sich schon während seiner Jahre in England und den USA der panafrikanischen antikolonialen Bewegung angeschlossen. Und so hob Nkrumah damals in seiner Rede zur Unabhängigkeit besonders hervor, dass Ghanas Schicksal eng mit dem antikolonialen Befreiungskampf im restlichen Afrika verknüpft sei. Von 1957 bis zu seinem - von der CIA unterstützten - Sturz im Jahre 1966 war Nkrumah dem Westen ein Dorn im Auge. Er trieb die panafrikanische und antikoloniale Bewegung in ganz Afrika voran und machte Ghana zum Zentrum des antiimperialistischen Kampfs, den er auf die Bewegung der Blockfreien auszudehnen versuchte.

    Ghanas wirtschaftliche Struktur bestand damals überwiegend aus kleinbäuerlichen Kakaoplantagen und einigen Bergbau- und Nutzholzenklaven für den Export. Damit stand der junge Staat vor Herausforderungen, die für das gesamte postkoloniale Afrika typisch waren: Wie strukturiert man eine unterentwickelte Wirtschaft, deren Basis aus einigen wenigen Rohstoffen und landwirtschaftliche Erzeugnissen mit schwankungsanfälligen Preisen besteht? Wie lassen sich in einer Landwirtschaft mit kleinbäuerlichen Strukturen und geringer Produktivität die Erträge steigern? Wie kann man ein Land industrialisieren, das nur über einen sehr kleinen Binnenmarkt verfügt und dessen Außenhandel eng mit wenigen westlichen Ländern verzahnt ist? Wie schafft man es, einem Volk, das mit seiner politischen Unabhängigkeit große Erwartungen verknüpft, einen kontinuierlich wachsenden Lebensstandard zu gewährleisten?

    Diese Fragen sind heute noch genauso drängend wie vor fünfzig Jahren. Allerdings hat das Land seitdem auf wirtschaftlicher wie auf politischer Ebene die verschiedensten afrikanischen Entwicklungsmodelle durchgespielt. Die Anfangsjahre einer staatlich gelenkten Wirtschaftspolitik waren geprägt von vorschnellen sozialen Gratifikationen, dem Ausbleiben einer Industrialisierung, was mit hohen Importen kompensiert wurde, und hohen Infrastrukturinvestitionen. Das führte die Wirtschaft in einen anhaltenden Abschwung, der von großer politischer Unsicherheit - und mehreren Staatsstreichen - begleitet war.

    Das Schwanken der Rohstoffpreise und die Misswirtschaft und Korruption der Eliten waren für die Wirtschaft verheerend. Seit Mitte der 1980er-Jahre hat ein umfassendes, durch IWF, Weltbank und bilaterale Kreditgeber finanziertes Liberalisierungsprogramm zu einem stabilen wirtschaftlichen Wachstum geführt. Damit hat sich Ghana vom Modell für postkoloniale Transformationsversuche zum Musterland einer neoliberalen Wirtschaftspolitik gemausert.

    Das Motto der offiziellen Feierlichkeiten zum goldenen Jahrestag der Unabhängigkeit preist Ghana als "Vorreiter der afrikanischen Exzellenz". Falls beabsichtigt gewesen sein sollte, mit dieser Parole jede politische Kontroverse im Keim zu ersticken, so ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Denn wer und was in der Geschichte Ghanas soll für "afrikanische Exzellenz" stehen? Die Phrase hat nur die Debatten verschärft, die schon seit langem die Medien beherrschen.

    Fliegerleutnant im Aufschwung

    Dabei geht es in erster Linie um die Beurteilung des ersten Jahrzehnts der Unabhängigkeit und um die Leistung des Gründervaters Kwame Nkrumah und in zweiter Linie um die Herrschaft des Fliegerleutnants Jerry Rawlings (von 1981 bis 2000).

    Meist prägen die Machthaber auch die offizielle Geschichtsschreibung; so gibt es innerhalb der regierenden New Patriotic Party (NPP) kaum jemanden, der die sechsjährige Regierungszeit von Präsident John Kufuor nicht für das Maß aller Dinge hält.

    Wenn Kufuors Regierungszeit 2008 endet, werden von allen Staatschefs Ghanas nur Nkrumah und Rawlings länger an der Macht gewesen sein. Und diese beiden - von insgesamt acht Vorgängern - sind es auch, die sich in ihrer Amtszeit um eine nachhaltige Wirtschaftspolitik, um den Ausbau der Infrastruktur und den Aufbau von Institutionen verdient gemacht haben. Kwame Nkrumah war, in den Worten von Amilcar Cabral, "der geniale strategische Kopf im Kampf gegen den klassischen Kolonialismus"(1). Rawlings war dagegen der Architekt der gegenwärtigen Periode ghanaischer Geschichte. Während seiner Regierungszeit brachte es Ghana wieder zu ökonomischem Wachstum und politischer Stabilität, wobei das Ziel einer strukturellen Veränderung allerdings aufgegeben wurde. Zu Beginn seiner Karriere war Präsident Rawlings ein Autokrat. Doch nachdem er zweimal wiedergewählt worden war, übergab er die Macht an eine Opposition, die ihn bitter befehdet hatte.

    Nkrumah und Rawlings sind Führungsfiguren, mit deren Nimbus Kufuor und seine Anhänger größte Schwierigkeiten haben, denn beide konterkarieren die politischen Traditionen und Überzeugungen der NPP. Viele NPP-Sympathisanten betrachten Nkrumah und Rawlings als Parvenüs, die die Herrschaft der durch die NPP repräsentierten traditionellen gesellschaftlichen Eliten verhindert haben und damit die natürliche Ordnung der Macht durcheinander brachten.

    Kufuors Partei sieht sich selbst in der Nachfolge jenes Bündnisses von Stammesfürsten, Kaufleuten und Anwälten, welche die Politik der Kolonialzeit beherrschten und eine "Demokratie der Besitzenden" anstrebten, in der die Führungsrolle der traditionellen Herrscher in der Verfassung festgeschrieben war. Es waren diese Leute, die Nkrumah 1947 an die Goldküste zurückholten, um im Namen der United Gold Coast Convention (UGCC) die Befreiung von den britischen Kolonialherren zu organisieren, die sie zu beerben beabsichtigten. Doch Nkrumah stahl ihnen die Schau, indem er die Massenpartei Convention People's Party (CPP) gründete, die seinen ehemaligen Protektoren eine vernichtende Niederlage bescherte und ihn selbst zum Gründervater des unabhängigen Ghana machte.

    In den Augen der heutigen Revisionisten hat Nkrumah nicht nur mit seiner "sozialistischen Politik" das Wirtschaftswachstum auf Jahre gelähmt; sie machen ihn auch für die politischen Gewalttaten verantwortlich, die von den Erben der UGCC verübt wurden, wobei sie übersehen, dass eben diese Gewalt dazu beigetragen hat, dass sich in der Nkrumah-Ära eine autoritäre politische Kultur herausbilden konnte.

    Rawlings dagegen ist die Janusfigur der ghanaischen Politik, die Brücke zwischen Nkrumah und Kufuor, der 1982 kurzzeitig unter Rawlings Minister für Lokalverwaltung war. Der populistische Autokrat Rawlings verstand es, die Hoffnungen und das Vertrauen der Massen für ein Projekt zu mobilisieren, das vor allem den Eliten zugute kam.

    Die Begeisterung, die er in der Bevölkerung weckte, und bestimmte Aspekte seiner frühen Politik (zum Beispiel setzte er auf gesellschaftliche Veränderungen, betonte das Prinzip sozialer Gleichheit und verfolgte eine antiimperialistische Außenpolitik) schienen an die Regierungszeit Nkrumahs anzuknüpfen, was dazu führte, dass die USA und andere westliche Länder zunächst auf eine Destabilisierungspolitik setzten.

    Die einheimische Elite wiederum war empört über die Methoden im Kampf gegen die Korruption. Doch als Rawlings im Jahr 2000 die Regierungsgeschäfte abgab, war Ghanas liberalisierte Wirtschaft zum Vorzeigemodell von Weltbank und IWF geworden.

    Die Wahlen von 1992 und 1996, bei denen Rawlings seine Herausforderer, zu denen auch sein späterer Nachfolger Kufuor gehörte, deutlich besiegte, waren ein klarer Beweis für seine landesweite Beliebtheit. Doch maßgebliche Kreise der ghanaischen Elite weigerten sich, seine objektiv überragenden Leistungen für das unabhängige Ghana anzuerkennen, obwohl sie Rawlings die Basis für ihren heutigen Wohlstand verdankten.

    Die ausländischen Financiers des ghanaischen Wirtschaftswunders verhielten sich dagegen eher pragmatisch. Sowohl Bill Clinton als auch Königin Elisabeth II. reisten an, um Rawlings für die Wiedereingliederung Ghanas in die westliche Hemisphäre zu danken. Bis zum Ende seiner Regierungszeit gab es sowohl in seiner Partei, National Democratic Congress (NDC), als auch unter seinen Anhängern in der breiten Bevölkerung eine Fraktion, die sich der Implementierung einer entfesselten Marktwirtschaft widersetzte. Dies und auch Rawlings' persönliche Unberechenbarkeit waren der Grund, warum man ihm im Westen trotz aller Wertschätzung niemals ganz vertraute.

    Heute frohlocken Kufuors Anhänger, dass ihr Idol von George W. Bush und Tony Blair und in den G-7-Ländern insgesamt als Figur gepriesen wird, die alles repräsentiert, was gut für Afrika ist. Und sein besonderer Draht zum Weißen Haus und zur Downing Street beweist in ihren Augen, dass er für sein Land besser ist als Rawlings. US-Präsident Bush, der sich mit Kufuor schon mehrfach getroffen hat, rühmt ihn als "Mann von Vision und Kraft und Charakter", der "für Ghana Fantastisches geleistet hat". Diese "fantastische Leistung" lässt sich in drei Punkten zusammenfassen:

    Im Hinblick auf das politische System bedeutet die Übergabe der Regierungsgeschäfte von Rawlings an Kufuor einen Machtwechsel zwischen konkurrierenden Fraktionen der Elite, womit die Legitimität der Verfassung der Vierten Republik unterstrichen wurde.

    Auf der politischen Ebene bedeutet der Machtwechsel eine Fortführung und Vertiefung der von Rawlings begonnenen marktwirtschaftlichen Politik, mit dem Vorteil, dass Kufuor im Gegensatz zu seinem Vorgänger für die örtlichen Eliten berechenbarer und dem Westen ein williger und begeisterter Partner ist.

    Der dritte Punkt ist am wenigsten bekannt, für die Bush-Regierung aber besonders interessant: Unter Kufuor erfolgte seit 2001 eine starke Ausweitung der militärischen und nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit zwischen Ghana, den USA und der Nato. Hinter dieser Entwicklung stand natürlich der Krieg gegen den Terror und das Interesse Washingtons an einer gesicherten Ölförderung im Golf von Guinea, die bis 2015 rund 25 Prozent der US-amerikanischen Importe decken soll. Auf der Website des US-Außenministeriums ist entsprechend zu lesen, dass die Beziehungen zwischen beiden Ländern "enger als je zuvor in der jüngeren Vergangenheit" sind.

    Allerdings reagierten die meisten Ghanaer entrüstet, als das von der NPP beherrschte Parlament 2003 eine bilaterale Vereinbarung mit den USA im Hinblick auf den Internationalen Strafgerichtshof verabschiedete. Darin verpflichtet sich Ghana, keinen US-Bürger an den IStGH zu überstellen, bei dem ein Ghanaer immerhin als Vizepräsident fungiert. Die Regierung argumentierte, nur so könnte man die militärische Zusammenarbeit weiterführen und sich die 4 Millionen US-Dollar an Hilfsgeldern sichern.

    Seither werden zu Lande wie zu Wasser regelmäßig gemeinsame militärische Übungen abgehalten. Im Oktober 2005 nahmen mehr als 1 000 Soldaten der ghanaischen Streitkräfte an einem gemeinsamen Manöver mit der Nato teil. Zwar bestreitet die Regierung, dass die Vereinigten Staaten eine Militärbasis im Land errichten, doch können die US-Streitkräfte das Land in verschiedener Hinsicht als Stützpunkt nutzen. In Ghana wurde eine sogenannte Exercise Reception Facility installiert, die vom US European Command (USEUCOM) finanziert und für die logistische Verschiebung von Truppeneinheiten genutzt wird.

    Als im Mai 2004 ein Journalist den damaligen Nato-Oberbefehlshaber für Europa, General Joseph Ralston, fragte, weshalb Ghana von so vielen US-Offizieren besucht werde, meinte dieser ganz offen: "Wir haben dort starke Interessen: Sicherheit, Frieden, wirtschaftliche Investitionen und wirtschaftliche Entwicklung für alle afrikanischen Länder. Ghana ist nun mal ein Zentrum der Stabilität. Falls in weniger stabilen Teilen Afrikas Operationen durchgeführt werden müssen, wollen wir die Möglichkeit haben, nach Ghana zu gehen und von dort aus mit den betreffenden Staaten zu arbeiten."(2 )Besorgte Ghanaer geben zu bedenken, dass das Ausmaß der Sicherheitskooperation zwischen Ghana und den USA das Land zur Zielscheibe für terroristische Angriffe machen könnte. So sind etwa die Bewohner von East Cantoments, einer besseren Wohngegend in Accra, wenig begeistert darüber, dass in ihrem Viertel die riesige neue US-Geheimdienstzentrale entsteht. Doch die Sicherheitsbeziehungen zu den USA dürften das politische Schicksal der gegenwärtigen Regierung kaum negativ beeinflussen.

    Kufuors Sieg über den National Democratic Congress (NDC) bei den Wahlen im Jahr 2000 resultierte aus mehreren Faktoren. Zum einen war der NDC durch interne Streitigkeiten um die Nachfolge Rawlings organisatorisch geschwächt; zum anderen hatten die wachsende Korruption des Regimes und seine autoritären Reflexe zu einer Entfremdung weiter Teile der Bevölkerung geführt. Entscheidend für die Niederlage dürfte jedoch die Wirtschaftskrise von 1999 bis 2000 gewesen sein, die eine lange schwelende Unzufriedenheit der Massen über den wirtschaftlichen Niedergang und die zunehmende soziale Ungleichheit aufflammen ließ.

    Als die Preise für Gold und Kakao fielen

    Diese Krise machte mit einem Schlag die Fragilität der Wirtschaftslage deutlich: die wirtschaftspolitischen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre und die massive Abhängigkeit von ausländischer Hilfe mitsamt der daraus resultierenden Schuldenkrise. Zwischen 1983 und 1994 hatte allein die Weltbank dem Land 2,4 Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt; die Auslandsverschuldung Ghanas ist von 1983 bis 2000 von 1 Milliarde auf über 6 Milliarden Dollar angewachsen.

    Der Hauptauslöser für die Krise war ein dramatischer Verfall der Weltmarktpreise für Gold, Kakao und Holz - die wichtigsten Exportgüter Ghanas - sowie ein plötzlicher Anstieg des Ölpreises. Der Preis für Kakao beispielsweise brach zwischen 1998 und 2000 um rund ein Drittel ein, während sich der Preis für Benzinimporte von 1999 bis 2000 beinahe verdoppelt hat. Zwei Jahrzehnte Handelsliberalisierung hatten die landwirtschaftliche und industrielle Produktion für den Heimatmarkt komplett unterminiert und die historisch gewachsene Importabhängigkeit des Landes immer weiter verschärft. Der Währungsverfall, der mit der Krise 1999/2000 einherging, wurde noch beschleunigt, als wichtige Geldgeber wegen eines politischen Richtungsstreits mit der Regierung beträchtliche Mengen an Hilfsgeldern einfroren. Der Wert des Cedi brach ein, die Inflation schoss in die Höhe und die Importe gingen zurück. Viele Anhänger des NDC glauben noch heute, dass die Gelder absichtlich zurückgehalten wurden, um der NPP zu einem Wahlsieg zu verhelfen.

    Als das Kufuor-Regime im Jahr 2001 die Initiative für hoch verschuldete arme Länder (HIPC) akzeptierte, gab es damit de facto zu, dass die viel gepriesenen marktwirtschaftlichen Reformen das Land in den Bankrott getrieben und vollends den Bedingungen der Kreditgeber ausgeliefert hatten. Die Bereitwilligkeit, mit der Kufuor die neoliberalen Forderungen implementierte und ausweitete, hat dem Land im Rahmen sowohl der HIPC als auch der multilateralen Entschuldungsinitiative (MDRI) zu einem beträchtliche Schuldenerlass verholfen.

    Seit 2001 fließen wieder deutlich mehr Hilfsgelder. Diese Gelder und die durch den Schuldenerlass frei gewordenen Ressourcen erlaubten der Regierung die Finanzierung einer besseren Grundschulausbildung und den Ausbau der Infrastruktur. Von 2001 bis 2006 stieg das Wirtschaftswachstum kontinuierlich von 3,2 auf 6 Prozent. Doch die ungleiche Verteilung der Einkommen, die aus diesem Wachstum resultierten, und die grundlegenden Schwächen der Wirtschaft blieben bestehen.
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    Donnerstag, 31. Mai 2007

    Ghana: Schwarz-Afrikas friedvollstes Land

    afrol News, 31 May - The finding of the first study that ranks the peacefulness and drivers that create and sustain the peace in 121 countries in the world was today launched in Washington, the United States of America.

    The Global Peace Index finding was published a week before world’s richest countries gather for the G8 summit in Germany to discuss issues of global concern.

    It ranks Norway as the most peaceful country in the world. The Scandinavian country is followed by New Zealand and Denmark.

    Ghana leads Africa’s peace ranking, though it is placed 40th position on the ladder. Madagascar and Botswana followed the West African country.

    While Iraq is proven as the most insecure country in the world, Nigeria that is placed 117th position emerges lied on the bottom of Africa’s peace ranking. The country ranks behind Cote d’Ivoire and Angola. South Africa ranks 99th position on the ranking.

    The rankings have shown that there are significant differences in peacefulness among the G8 countries. The 5th placed Japan topped the G8 countries while Russia ranked last with 118th position.

    Interestingly, it was revealed that countries that had gone through turbulent times of the twentieth century such as Ireland and Germany have emerged as peace leaders in the 21st century.

    The Economic Intelligence Unit measured countries' peacefulness based on wide range of indicators - 24 in all - including ease of access to "weapons of minor destruction" (guns, small explosives), military expenditure, local corruption, and the level of respect for human rights, said a statement.

    After compiling the index, the researchers then examined it for patterns in order to identify the “drivers” that make for peaceful societies. Researchers found that peaceful countries often shared high levels of democracy and transparency of government, education and material well-being.

    However, the United States possesses many of these characteristics its ranking was brought down as a result of its engagement in warfare and external conflict, as well as high levels of incarceration and homicide. The U.S.'s rank also suffered due to the large share of military expenditure from its GDP, attributed to its status as one of the world's military-diplomatic powers.

    The index is the brainchild of an Australian IT entrepreneur and philanthropist Steve Killelea.

    "The objective of the Global Peace Index was to go beyond a crude measure of wars by systematically exploring the texture of peace," explained Global Peace Index President, Mr. Clyde McConaghy. "The Index provides a quantitative measure of peacefulness that is comparable over time, and we hope it will inspire and influence world leaders and governments to further action."

    The Index has already won the support of an influential and distinguished group of supporters, many of whom are dedicated to promoting global peace, including former U.S. President James Carter, the Dalai Lama, Archbishop Desmond Tutu, Sir Richard Branson and Harriet Fulbright of the Fulbright Centre.

    "This Index stands to broaden our very definition of what peace is, as well as how to achieve it," said Fulbright. "Peace isn't just the absence of war; it's the absence of violence."

    "Countries need to become more peaceful to solve the major challenges that the world faces - from climate change to overpopulation and sustainability," said Mr. McConaghy.

    "We hope that the findings of the Global Peace Index will act as a catalyst for increased funding to study peace and for governments and industry to take policy action," he added

    By staff writer

    © afrol News

    Quelle

    Global Peace Index

    Mittwoch, 30. Mai 2007

    Witch-Camps

    "Ich habe bereits ueber den tief verwurzelten Aberglauben der Menschen hier berichtet…das Wort Aberglauben ist aber sicherlich nicht der richtige Ausdruck um das zu beschreiben, was ich hier gestern erlebt habe. Vielmehr handelt es sich um traditionelle Glaubensmuster, die sich hier seit jahrhunderten verfestigt haben. Ein Beispiel ist der Glaube an Hexen und Hexerei. Man kann sich hier mit wirklich gebildeten Hochschulabsolventen unterhalten oder mit dem “einfachen Mann” auf der Strasse…ganz egal, welche Religionszugehoerigkeit, alle glauben fest an die boese Macht der Hexen. Dabei ist es wichtig, diesen Aspekt nicht einfach als “romantische Exotik” abzutun. Es kommt hier in Nordghana zu schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen, deren Tragweite ich immer noch nicht glauben kann. Vermeintliche Hexen (immer weiblich) werden hier verfolgt, wie in Deutschland vor 500 oder 600 Jahren. Der alleinige Verdacht oder die alleinige Beschuldigung, jemand ist eine Hexe reicht aus, um sie mit Gewalt aus dem Dorf zu verjagen. Vor etwa 15 Jahren hat dies noch den sicheren Tod bedeutet. Heutzutage gibt es aber sogeannte “witch-camps” also Internierungslager fuer Hexen, wo diese Menschen Zuflucht finden und ein neues Leben starten koennen. Auf das Problem wurde ich aufmerksam gemacht durch verschiedene Geistliche (einen Katholischen Missionar und einen muslimischen Imam). Deshalb haben Robert und ich gestern beschlossen, uns auf die Suche nach solch einem Lager zu machen. Das ist nicht gerade einfach gewesen, denn offiziell duerfte es diese Lager ueberhaupt nicht geben. Nahe der Togolesischen Grenze haben wir Nani, das wohl groesste Hexenlager Nordghanas aufgespuert. Dort leben etwa 700 (!!!!) Hexen unter z.T. sehr sehr sehr harten Bedingungen. Es gibt kaum zu Essen und von sauberem Trinkwasser kaum zu schweigen.

    Wir haben uns mit den Hexen unterhalten und uns deren Schicksal angehoert. Auch das war nicht einfach, da wir ueber mehrere Dollmetscher in verschieden lokale Sprachen uebersetzen mussten. Eine hat erzaehlt, dass es schon ausgereicht hat, wenn jemand nicht einschlafen konnte, dann hat er eine Hexe beschuldigt. Es gibt hier auch viele z.T. toedliche Testverfahren, um herauszufinden, ob es sich wirklich um Hexen handelt. Die Hauptbeschuldigung ist jedoch wenn ein Kind stirbt, dann wir dafuer eine Hexe verantwortlich gemacht. Bei einer Kindersterblichkeit von 227 Kindern von 1000 Lebendgeburten (unter 5 Jahren) nimmt das verheerende Ausmasse an…"
    Quelle

    Montag, 28. Mai 2007

    Kwame Nkrumah